Herb.ERT - Magazin 01/2026

6 // DAS MAGAZIN ZUR KUNST DES TROCKENREIFENS. Die betriebswirtschaftliche Schwachstelle des Frischmarktes Eine ausschließliche Fokussierung auf den Frischmarkt er- höht die betriebswirtschaftliche Anfälligkeit und birgt struk- turelle Risiken. Frischware ist verderblich, zeitkritisch und stark norm-sowie optikorientiert. Übermengen führen rasch zu Preisabschlä- gen. B-Ware wird nur eingeschränkt verwertet. Kühl- und Logistikkosten belasten zusätzlich. Wer ausschließlich auf Frischverkauf setzt, bleibt in einem System, das primär über den Kilopreis funktioniert. Hin- zu kommt eine wachsende Sensibilität für Nachhaltigkeit. Nicht verwertete Überschüsse werden zunehmend kritisch betrachtet – sowohl gesellschaftlich als auch im Kontext künftiger ESG-Vorgaben der Förderstellen. In jeder erzeugten Einheit stecken Boden, Wasser, Energie, Arbeitszeit und Know-how. Diese Ressourcen sollten mög- lichst vollständig inWertschöpfung überführt werden–nicht nur aus ökologischer Verantwortung, sondern auch im be- triebswirtschaftlichen Interesse. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Suche nach zusätzlicher Wertschöpfung strate- gische Bedeutung. Vom Rohstoff zur zweiten Wertschöpfungsebene Die zentrale Frage lautet: Wie lässt sich aus Rohware ein Produkt entwickeln, das weniger abhängig vom tagesaktu- ellen Preisgeschehen ist und stabilere Erlöse ermöglicht? Ein möglicher Ansatz liegt in der gezielten Produktverede- lung. Veredelung bedeutet, Rohware in ein eigenständiges Marktprodukt zu transformieren. Die Bandbreite reicht von Fermentation über Marmeladen/Konfitüren, Chutneys und Säfte bis hin zu Trockenprodukten. Innerhalb dieser Optionen bietet insbesondere die Her- stellung hochwertiger Trockenprodukte ein beachtli- ches Wertschöpfungspotenzial – vorausgesetzt, sie wird qualitätsorientiert umgesetzt und klar im Markt po- sitioniert. Trocknung ist mehr als Haltbarmachung. Sie schafft eine zweite Wertschöpfungsebene im Betrieb. Durch die Reduktion des Wassergehalts entstehen lagerfähi- ge Produkte mit hoher Aromadichte, geringem Volumen und flexibler Vermarktungsmöglichkeit. Die Abhängigkeit vom tagesaktuellen Preisgeschehen reduziert sich deutlich. Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht mehr aus- schließlich der Hektarertrag bestimmt die Wirtschaftlichkeit –sondern die Wertschöpfung pro Kilogramm.

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